Vola Dashboard

VIX · Term Structure · Tail Risk · CBOE-Indizes

Volatilität verstehen — und nutzen.

Volatilität ist nichts anderes als der Preis der Unsicherheit. Sie schwankt zwischen Phasen der Ruhe (billig) und der Panik (extrem teuer) — und das immer wieder. Wer das Muster kennt, kann es nutzen: teure Volatilität verkauft man, billige Volatilität kauft man. Dieses Dashboard zeigt dir auf einen Blick, wo wir gerade stehen.

Vola-Regime-Ampel
GRÜN
Setup-Umfeld OK
Bedingungen: VIX über 200-Tage-Schnitt · Term Structure in Contango · keine Tail-Warnung (LTV/SKEW normal).
Bedeutung: Klassisches Umfeld für systematischen Vola-Verkauf — fette Prämien, normaler Roll-Yield.
GELB
Erhöhtes Risiko
Bedingungen: Mindestens ein Stress-Signal: VIX im obersten Fünftel, VVIX/SKEW erhöht oder beginnende Backwardation.
Bedeutung: Vorsichtig handeln — kleinere Positionen, engere Stops, ggf. Hedges.
ROT
Nicht handeln
Bedingungen: VIX unter 200-Tage-Schnitt (Tiefstvola — keine Prämie) oder LTV im obersten 5 % (echtes Tail-Event).
Bedeutung: Hände weg — entweder zu billig zum Verkaufen oder bereits im Crash.
Mehr Hintergrund zur Ampel

Die Ampel fasst alle Vola-Signale zu einer einfachen Aussage zusammen — aus Sicht eines Vola-Verkäufers (Short-Vola-Strategie). Sie ist kein Trade-Signal, sondern eine Beschreibung des aktuellen Markt-Regimes.

Konkrete Signale liefern die Einzel-Indizes weiter unten — die Ampel sagt nur, ob das Umfeld für Vola-Trades grundsätzlich geeignet ist. Bei GRÜN kannst du systematisch verkaufen, bei GELB nur reduziert, bei ROT gar nicht.

VIX 30Di
VIX3M 3Mi
VIX / VIX3Mi
VVIX VoVi
SKEWi
LTV Taili

VIX Term Structure

Aktuelle Forward-Kurve · 30-Tage-Avg · 1-Jahres-Avg

So liest du die Kurve: Auf der X-Achse stehen verschiedene Zeithorizonte (von 1 Tag bis 1 Jahr), auf der Y-Achse die jeweilige erwartete Volatilität. Steigt die Kurve nach rechts an → Contango (normal, Markt erwartet keine kurzfristige Eskalation). Fällt sie nach rechts ab → Backwardation (akuter Stress, kurzfristig wird mehr Risiko eingepreist als langfristig). Mehr dazu unten ↓

Percentile-Heatmap (252 Tage)

Wo steht jeder Index relativ zu seiner 1-Jahres-Historie?

Kern-Indikatoren
VIX Kurzfrist
VIX Langfrist
Cross-Asset Vola
0–20% billig 20–40% günstig 40–60% normal 60–80% teuer 80–100% extrem teuer
Die Percentile sagen dir, wo der heutige Wert im Vergleich zu den letzten 63 / 126 / 252 Handelstagen steht. Beispiel: Pct 252 = 85 % bedeutet: Höher als an 85 % aller Tage im letzten Jahr — also klar überdurchschnittlich teuer. Für Vola-Verkäufer: attraktive Prämien, aber auch erhöhte Vorsicht. Pct 252 < 20 % heißt: Vola im Schlussverkauf — Verkaufen lohnt kaum, Kaufen (Hedges) ist günstig.

VIX History — mit SMA200

Der VIX ist der Hauptindikator: erwartete Schwankung des S&P 500 für die nächsten 30 Tage. Liegt er über seinem 200-Tage-Schnitt, ist das oft das Signal einer Stressphase mit attraktiveren Vola-Prämien. Liegt er klar darunter, herrscht Sorglosigkeit — dann gibt es kaum etwas zu verkaufen.

VVIX

VIX of VIX. Wie unsicher ist der Markt über den VIX selbst? Hoher VVIX = große Bewegungen im VIX möglich → Vola-Verkäufer sollten Positionsgrößen reduzieren.

SKEW Index

Crash-Versicherungs-Index. Misst, wie viel Aufpreis für Out-of-the-Money-Puts gezahlt wird. Werte > 140 signalisieren erhöhtes Tail-Risiko.

VIX / VIX3M Ratio — Contango vs. Backwardation

< 1 = Contango (normal) · > 1 = Backwardation (Stress)

📈 Contango (Ratio < 1)
Der 30-Tage-VIX ist niedriger als der 3-Monats-VIX. Der Markt sagt: „Heute alles ruhig, langfristig könnte mehr passieren.“ Das ist der Normalzustand in über 80 % der Zeit. Vola-Verkäufer profitieren vom Roll-Yield: Futures rollen zur Spot-Vola hin und verlieren Wert über die Zeit. Dieses Umfeld ist die Goldgrube für systematischen Short-Vola.
📉 Backwardation (Ratio > 1)
Der 30-Tage-VIX ist höher als der 3-Monats-VIX. Der Markt schreit: „Jetzt sofort Panik!“ Das passiert nur in echten Krisen (COVID-Crash, August 2024). Achtung: Wer hier blind Vola verkauft, kann katastrophal verlieren — der Roll-Yield dreht ins Negative, und einzelne Trades können das ganze Jahr ruinieren. Hände weg, bis sich die Kurve wieder normalisiert.

LTV — Left Tail Volatility

Krishnan Tail-Risk Indikator

Misst speziell die linke Schwanz-Vola — also wie teuer die Absicherung gegen Crashs ist. Hoher LTV = institutionelle Anleger zahlen viel für Hedges → Tail-Event erwartet oder bereits aktiv.

OVX — Crude Oil VIX

Erwartete Volatilität von WTI-Öl. Steigt typischerweise bei geopolitischen Spannungen (Nahost, Russland, OPEC). Oft Frühindikator für Risk-Off-Phasen.

Volatilitäts-Familie

VIX · VXN (Nasdaq) · RVX (Russell) · GVZ (Gold) · OVX (Öl)

Jeder dieser Indizes misst die erwartete Schwankungsbreite einer anderen Asset-Klasse. Wenn alle gleichzeitig steigen → marktweite Stress-Phase. Wenn nur einer ausreißt (z.B. OVX) → asset-spezifischer Schock. Hilft zur Einordnung, ob ein VIX-Spike vom S&P kommt oder importiert wurde.

Übersichts-Tabelle

Symbol Name Close Δ 1d Δ 5d Δ 20d Pct 63d Pct 126d Pct 252d SMA200 Status

VIX-Lexikon — Was misst eigentlich was?

Die CBOE veröffentlicht ein ganzes Bündel von Volatilitäts-Indizes. Hier eine kurze Übersicht in einfacher Sprache:

VIX 30 Tage

Der Klassiker. Erwartete Schwankung des S&P 500 in den nächsten 30 Tagen, abgeleitet aus SPX-Optionspreisen. Auch „Angstbarometer“ genannt.

Wofür: Hauptmaß für Stress am US-Aktienmarkt. Werte < 15 = Sorglosigkeit, 15–25 = normal, 25–40 = nervös, > 40 = Panik.

Was tun? VIX hoch (Pct > 60 %) → SPX-Optionen verkaufen (Iron Condor, Put Credit Spread), VIX-Futures shorten. VIX tief (Pct < 20 %) → Hedges günstig kaufen (SPX-Puts, VIX-Calls).

VIX1D 1 Tag

Erwartete Vola für nur einen Handelstag. Reagiert extrem stark auf Tagesnachrichten — Fed-Sitzungen, NFP, CPI-Daten.

Wofür: Day-Trading-Risiko und Event-Frühwarnung. Wenn VIX1D >> VIX → bevorstehendes Event eingepreist.

Was tun? VIX1D-Spike vor Event → 0DTE-Optionen sind teuer; Verkauf möglich, aber riskant. Nach dem Event („Vola Crush“) → Short-Vola-Trades liefern oft schnelle Gewinne.

VIX9D 9 Tage

Erwartete Vola der nächsten 9 Handelstage. Brücke zwischen Tages- und Monats-Vola.

Wofür: Im Verhältnis zum VIX zeigt er kurzfristigen Stress vs. Mittelfrist. VIX9D > VIX = akute Sorge.

Was tun? VIX9D > VIX → kurzfristig defensiv, keine 7-DTE-Verkäufe. VIX9D < VIX → kurzfristig ruhig, kurze Wochen-Optionen können verkauft werden.

VIX3M 3 Monate

Erwartete Vola für 3 Monate (~93 Tage). Ruhiger und träger als der VIX, weil längerfristige Optionen weniger panisch reagieren.

Wofür: Wichtigste Term-Struktur- Referenz. Verhältnis VIX/VIX3M zeigt Contango (< 1) oder Backwardation (> 1).

Was tun? VIX/VIX3M < 0,95 (steiles Contango) → Roll-Yield arbeitet für dich → SVXY/SVIX halten, VX-Futures shorten. Ratio > 1 → sofort raus aus Short-Vola.

VIX6M 6 Monate

Erwartete Vola für ein halbes Jahr. Praktisch immer höher als der Spot-VIX (Risikoprämie für die längere Zeit).

Wofür: Langfrist-Anker. Wenn VIX6M selbst stark steigt, verschlechtert sich die Stimmung nachhaltig — nicht nur kurzfristige Nervosität.

Was tun? VIX6M-Anstieg → Langzeit-Absicherung wird teuer; jetzt günstige Hedges nicht mehr nachkaufen, ggf. bestehende Long-Vola-Positionen verkaufen.

VIX1Y 1 Jahr

Erwartete Vola für 12 Monate. Sehr stabil, fast wie eine „durchschnittliche Markterwartung“.

Wofür: Strukturelles Niveau. Wenn VIX1Y stark steigt → Markt rechnet mit länger andauernder Unsicherheit (z.B. Rezession).

Was tun? VIX1Y deutlich über 20 → strukturelles Stress-Regime; Short-Vola nur sehr selektiv. VIX1Y unter 18 → Markt entspannt, Hedges sind günstig.

VVIX VoV

Die Volatilität der Volatilität. Wie stark schwankt der VIX selbst? Berechnet aus VIX-Optionen.

Wofür: Risiko-Maß für Vola-Verkäufer. Hoher VVIX = der VIX kann jederzeit explodieren. Werte > 110 = nervös, > 130 = sehr nervös.

Was tun? VVIX hoch (> 120) → VIX-Calls sind teuer → verkaufen (z.B. weit OTM Call Credit Spread auf VIX). Gleichzeitig Short-Vola-Positionsgrößen halbieren — der VIX kann explodieren.

SKEW

Crash-Versicherungs-Index. Misst die „Schiefe“ der SPX-Optionspreise — wie viel mehr wird für Crash-Puts gezahlt als für gleichweit entfernte Calls.

Wofür: Tail-Risiko-Frühwarnung. 100 = symmetrisch, 130 = leicht schief, > 145 = institutionelle Anleger sichern stark ab.

Was tun? SKEW hoch → OTM-Puts sind sehr teuer → Put-Ratio-Spreads oder Put Credit Spreads verkaufen. Aber Vorsicht: Smart Money sichert nicht ohne Grund.

LTV Tail

Left Tail Volatility (Krishnan-Framework). Isoliert die Vola, die nur aus Crash-Puts kommt. Reiner als SKEW, weil andere Effekte rausgerechnet werden.

Wofür: Echtes Tail-Event- Signal. Wenn LTV im obersten 5 % seiner Historie ist → institutionelle Hedging-Welle aktiv.

Was tun? LTV im Top-5 % → Vola-Verkauf einstellen, Tail-Hedges aufstocken (Long VIX-Calls, Long SPX-Puts weit OTM). Ein Crash ist statistisch wahrscheinlicher als sonst.

OVX

Crude Oil Volatility — VIX-Pendant für WTI-Öl.

Wofür: Geopolitik-Indikator. Springt bei Nahost-Eskalation, OPEC-Entscheidungen, Russland.

Was tun? OVX hoch → USO/Öl-Optionen verkaufen (Strangles, Iron Condors). Korreliert oft mit Energie-Aktien- Vola — auch dort Prämien gut.

GVZ

Gold Volatility — VIX-Pendant für GLD/Gold.

Wofür: Steigt in echten Krisen (Inflations-Schock, Bankenkrise). Ruhiges GVZ = Gold ist gerade kein Sicherheitshafen.

Was tun? GVZ hoch → GLD-Optionen verkaufen (Iron Condor, Strangle). GVZ tief → Gold-Calls günstig kaufen, falls man auf Gold-Rally setzt.

VXN · RVX

VXN = VIX für Nasdaq 100 (Tech-lastig).
RVX = VIX für Russell 2000 (Small Caps).

Wofür: Sektor-Vergleich. VXN > VIX deutlich → Tech-Stress. RVX > VIX deutlich → Small-Caps unter Druck.

Was tun? VXN/RVX hoch → QQQ- bzw. IWM-Optionen verkaufen (mehr Prämie als SPX). Bei Spread-Verengung zum VIX → Sektor normalisiert sich, Trade auflösen.

V2TX (VSTOXX)

Der V2TX ist der europäische VIX — er misst die 30-Tage implizite Volatilität des Euro STOXX 50. Berechnet von STOXX/Eurex nach der gleichen Methodik wie der CBOE-VIX, aber auf Basis europäischer Index-Optionen.

Wofür: Europa-Angstbarometer. V2TX > VIX → Europa hat mehr Stress als die USA. V2TX/VIX-Spread zeigt regionale Risikoverschiebung. Typischerweise liegt V2TX leicht über dem VIX (EU-Risikoprämie).

Was tun? V2TX spike (ohne VIX) → europäische Vola verkaufen (z.B. Euro STOXX Put Credit Spreads). V2TX/VIX-Spread extrem hoch → Mean-Reversion-Trade: EU-Vola short, US-Vola long.

Vola verkaufen — die Grundidee

Warum überhaupt Vola verkaufen?

Implizite Volatilität (was Optionen kosten) ist im Mittel höher als die tatsächliche Bewegung (was wirklich passiert). Diese Differenz nennt man die Volatilitäts-Risikoprämie — und sie ist eine der robustesten Renditequellen am Aktienmarkt.

Wann verkaufen?

Wenn die Vola teuer ist (Pct > 60 %), die Term Structure in Contango steht und der VIX über seinem 200-Tage-Schnitt liegt. Genau das zeigt die Ampel oben in Echtzeit.

Wann NICHT verkaufen?

Wenn Backwardation aktiv ist, LTV/SKEW im Extrembereich stehen oder der VIX schon ungewöhnlich tief ist (Pct < 20 %). Dann ist die Prämie zu klein für das Risiko — oder ein Crash läuft bereits.

Womit?

VIX-Futures (VX), VIX-ETFs (SVXY, SVIX), SPX-Optionen (Iron Condors, Put Credit Spreads). Jedes Vehikel hat eigene Chancen und Risiken — das Dashboard sagt dir nur wann das Umfeld passt, nicht wie du es spielst.

⚠ Keine Anlageberatung
Dieses Dashboard dient ausschließlich Entertainment- und Schulungszwecken. Es ist keine Anlageberatung, keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und keine individuelle Handelsempfehlung. Optionen und Volatilitäts-Produkte können zum Totalverlust führen. Triff eigene Entscheidungen, informiere dich gründlich oder konsultiere einen qualifizierten Berater.